Der zweite Sturz

Es war einfach mal wieder soweit! Und wenn es kommt, kommt es bekanntlich richtig dick. Zwei Jahre sind seid dem letzten richtigen Kletter-Sturz vergangen. Damals bin ich am Kreuzfels in der Westkante weit genug gefallen, um mir bei der »Landung« auf einem Felsvorsprung das Sprunggelenkt zu verknacksen. Endliche Male bin ich in den zwei Jahre gestürzt, aber niemals wieder mit dem richtigem Kribbeln. Dieses Mal gab es mehr Kribbeln als mir lieb war. Heute wollten wir einen neuen Felsen hinter Blaubeuren ausprobieren. Der Zustieg zur Günzelburg vom Parkplatz ist ca anderthalb Kilometer lang und unbeschwerlich. Die Routen an der Günzelburg haben es dafür in sich: Siebner, Achter und Neuner – plus die Südostkante, welche gerade für uns perfekt zum Aufwärmen war. [exzo url=”TMB_PERM” title=”Annika an der Günzelburg (Südostkante 3+)”]zweitersturz.jpg[/exzo] Nachdem wir ausreichend aufgewärmt hatten, sind wir in die Tauben Finger (7-/7) eingestiegen. Annika hat mir den Weg bereitet und die ersten zwei Haken geklinkt, wollte mir dann aber den Vortritt lassen. Zwei weitere Exen und einer Reihe von Schlitzen in exzellentem Fels brachten mich zur Schlüsselstelle. Die Linke Hand in einem Untergriff, der linke Fuss als Gegentritt weit gespreizt, der Rechte auf einem Minimaltritt stand ich leicht im Überhang etwas instabil und dicht an der Wand. Die Fünfte Expresse konnte ich problemlos klingen, aber der versuch das Seil hoch zu bekommen, kompromittierte meine labile Lage. Der Griff in die Exe half auch nicht mehr, als mein linker Fuss vom Fels rutschte und ich mit ihm abwärts. Da ich immer noch auskurieren meinen Bänderrisses bin, hatte ich am meisten Angst vor einer ungünstigen Landung. Mein Fuss geht es blendend, aber beim Aufschlag auf Höhe der der ersten Exe muss ich ungünstig mit der Hand an der Wand angeschlagen sein. Denn seid dem habe ich Schmerzen im rechten Ringfinger 🙁 [exzo url=”TMB_PERM” title=”Schnüff”]zweitersturz2.jpg[/exzo] Der Aufmerksame Leser wird sich jetzt fragen, was mit Fünften Exe geworden ist. Doch bevor ich mein Material retten konnte, musste ich Mittel-, Zeige- und Ringfinger tapen um die Blutung zu stoppen. Danach habe ich noch einen Versuch unternommen, die Schlüsselstelle zu erklettern. Aber die Schmerzen, das blutende Gesuppe an meinen Fingern und mangelnder Wille haben mich schnell erkennen lassen, dass ich nicht hoch kommen werde. Also bin auf den Sanduhrenweg (6-) direkt daneben gewechselt. Und wie gesagt, wenn es kommt … oben im schrofigem Gelände habe ich einen Handball großen Felsbroken herausgerissen und das zweite Mal gestürzt. Der Rest ist schnell erzählt. Natürlich habe ich die Route fertig geklettert und alles abgebaut. Endlich unten angekommen hat es Annika noch einmal im Top Rope versucht, ist aber auch an der Schlüsselstelle gescheitert. Beim aufräumen danach haben mir noch einen viertel Stunde lang die Knie gezittert. So mental fertig war ich noch nie und deswegen hat sich dieser Sturz auch einen Platz in der Liste der »richtigen Stürze« gesichert. Und mit einer Rate von Eins Pro Zwei Jahre kann ich auch ganz gut leben 😉