Gimpel im Dezember 2006

Bevor ich zu der Tourbeschreibung kommen kann, brauche ich heute etwas Anlauf. Eine der größten Kritikerinnen der Gimpel-Tour im November war Brigitte. Auch wenn wir zusammen im Sommer Hochtouren auf über 4000m gegangen sind und dort deutlich anderen Witterungen ausgesetzt waren, konnte sie sich nicht vorstellen, dass man »bei den Temperaturen« noch klettern kann. Nachdem die Besteigung über den Wüstendorferkamin zwar anstrengend aber insgesamt unproblematisch war (vom Abstieg mal abgesehen), sah Brigitte vielleicht ein, dass es machbar ist. Aber das man Spass dabei haben kann … sagen wir, sie war einfach noch nicht wirklich überzeugt. [exzo url=”” title=”(pre) Sunrise Panorama am Gimpelhaus” id=”image145″]gimpeldec06_pano_02.jpg[/exzo] Aber Worte würden Brigitte nicht überzeugen können! Zum Glück hatten sich am Wochenende Arne und Vania angekündigt. Natürlich wollten wir zusammen klettern gehen, am liebsten draussen! Leider war die Wettervorhersage für das Blautal eher schlecht. Besser sahs dagegen im Tannheimer Tal aus – wieder Sonne pur! Und so siegten Neugier und Tatendrang über die Skepsis. Wir schwangen uns am Samstag um 04:00 auf die Pferde und ritten gen Süden (leider ohne Arne&Vania, da sie erst Samstag Nachmittag nach Deutschland geflogen ist) [exzo url=”” title=”Brigitte vor dem Sonnenaufgang” id=”image143″]gimpeldec06_pano_01.jpg[/exzo] Pünktlich kurz nach Fünf kamen wir in Nesselwängle an. Frostige -7°C begrüßten uns im Tannheimer Tal. Da ich aus der Tour mit Andreas gelernt habe, dass die Nordseite komplett vereist ist, waren wir komplett (wie für die Hochtouren) ausgerüstet. D.h. sowohl Pickel, als auch Steigeisen und die entsprechenden Schuhe waren dabei. Ansonsten die übliche Bekleidung: Merino, Fleece, Softshell, Mütze, Handschuhe, Jägermeister. [exzo url=”” title=”Frühstückspause mit Morgenlektüre” id=”image146″]gimpeldec06_pano_03.jpg[/exzo] Der Aufsteig zum Gimpelhaus wird für mich langsam Routine und war in knapp unter einer Stunde gemeistert. Für die, die es interessiert, ich hatte diesmal ‘nen Pulsmesser dabei. In diesem Teil des Aufsteiges lag der Puls um 140bpm. Am Gimpelhaus angekommen haben wir uns erstmal ein ausgedehntes Frühstück gegönnt (ca 40min :). Da die Sonne noch nicht aufgegangen war und wir vom Zustieg schon leicht verschwitzt waren, hatte ich zu dem Zeitpunkt auch alles an, was ich dabei hatte. Es war doch recht schattig auf 1600m vor Sonnenaufgang. Allerdings gab uns die sternenklare Nacht Hoffnung auf einen sonnigen Tag. Wir hatten jedoch keine Ahnung, wie sonnig es werden sollte! [exzo url=”” title=”(post) Sunrise Panorama” id=”image147″]gimpeldec06_pano_04.jpg[/exzo] Nach dem Frühstück ging es weiter zu der Route. Wir wieder hatten vor, die Alte Südwand zu klettern, aber diesmal in der »Genießervariante«. Diese ist anhalten im vierten Grad mit einer Schlüsselstelle im unteren Fünften(UIAA). [exzo url=”” title=”Alte Südwand (blau: Genießervariante, rot: Wüstendorferkamin)” id=”image151″]gimpeldec06_01.jpg[/exzo] Beim Zustieg wurde schnell klar, dass es heute um einiges wärmer werden würde. Schon kurz nach dem traumhaftem Sonnenaufgang mussten wir uns diverser Bekleidungsschichten entledigen. Von Schnee war weit und breit nichts zu sehen! Im letzten Teil des Zustieges brachte Brigittes Tempo mein Herz übrigens auf um die 160bpm. [exzo url=”” title=”Brigitte beim Einstieg” id=”image148″]gimpeldec06_pano_05.jpg[/exzo] Aus Erfahrungen schlau sind wir auch dieses Mal im running belay Verfahren geklettert. Wir hatten das Seil diesmal für meinen Geschmack etwas zu lang. Brigitte und ich schnattern halt einfach zu gerne beim Klettern 😉 Mein Puls lag übrigens in der Regel zwischen 120 (Nachstieg) und 140 (Vorstieg). Allerdings war der Spitzenwert bei 182, als mir an einer luftigen Stelle der einzige Tritt wegbrach und ich mich einarmig in Sicherheit (klimm)zog. Da fragt man sich doch, warum das in der Halle an der Klimmzugstange nie klappt … [exzo url=”” title=”Panorama vom Tannheimer Tal” id=”image149″]gimpeldec06_pano_06.jpg[/exzo] Drei Stunden nach dem Einstig gelangten wir zum Gipfel. Dabei haben wir nur einmal den Vorstieg gewechselt (untere Hälfte bin ich vorgestiegen, die oberen Hälfte Brigitte). Der Gipfel sah an dem Tag etliche Wanderer, welche über den Normalweg aufgestiegen sind. Das Wette war auch einfach zu gut, um zu Hause zu bleiben. In der Sonne hatten wir gefühlte 20°C, selbst da oben auf über 2000m Höhe. Auf mein Merino habe ich dann komplett verzichtet und bin auf kurze Hosen umgestiegen. [exzo url=”” title=”Gruppenbild unterm Gipfelkreuz” id=”image150″]gimpeldec06_pano_07.jpg[/exzo] Der Abstieg war auf Grund der anhaltend warmen Temperaturen absolut unschwer. Bis auf einzelne versteckte Eishäufchen war nichts mehr vom Blankeis übrig, welches Andreas und mir letztens Sorgen bereitet hat. Entsprechend blieben Picken und Steigeisen im Rucksack und dienten nur dem Konditionstraining. Wer hätte das gedacht? Und so ließ diese Gimpelbesteigung am 2.Dezember.2006, bei Frühsommerlichen Temperaturen, keine Wintergefühle aufkommen. Aber wir glauben ja nicht an globale Erwärmung…wahrscheinlich haben wir dafür im Mai noch meterhohen Schnee – so als »fairen Ausgleich« 😉 Da wir diesmal nicht ganz so light unterwegs waren, hatte ich auch meine Nikon dabei. Es gibt also wieder ein paar mehr Bilder in der Gallery (insgesamt 42+10 Bilder, davon 11 Panoramas)