Klosterbibliothek Wiblingen

Vor ein paar Wochen war ich mit meinen Eltern und Grosseltern im Kloste Wiblingen. Eine der Sehenswürdigkeiten ist die barocke Bibliothek. Da wir ein paar Minuten vor der nächsten Führung dort waren, habe ich noch flux ein paar Bilder geschossen. Unter anderen genügend, um das folgende Panorama zusammen zu setzen. Leider hat das gleich die Aufmerksamkeit der heran eilenden Führerin erregt. Diese wollte dann doch glatt Ǩ60 für “professionelles Fotografieren” … !lol! Es hat mich mein zuckersüßestes Lächeln und die größten Katzenaugen gekostet um von der Schippe zu springen. In diesem Sinne präsentiere ich folgendes absolut stümperhaftes Panorama (schliesslich auch komplett aus der Hand geschossen): [click image for a larger version]

 

Title     Klosterbibliothek in Wiblingen
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Klosterbibliothek in Wiblingen
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Create Date:   17.sep.2006 10:33:47     Aperture:   f/3.5
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Kloster Wiblingen

Im Jahr 1093 weihte der Konstanzer Bischof Gebhard III. die zunächst wenigen Gebäude des von den Grafen Hartmann und Otto von Kirchberg gestifteten Klosters in Wiblingen. Noch heute werden als kostbares Vermächtnis der Stifter die Partikel des heiligen Kreuzes in der Klosterkirche St. Martin aufbewahrt. Reiche Schenkungen und großzügig gewährte rechtliche Freiheiten ermöglichten den dynamischen Aufstieg des Benediktinerklosters.

Ein Großbrand machte 1271 dieser Entwicklung ein Ende. Die Klosteranlage musste neu erbaut werden, das geistige Leben erlahmte und die wirtschaftlichen Schwierigkeiten dauerten über viele Jahrzehnte an.

Im Zuge der Neuorientierung mit der Übernahme der Melker Reform erfuhren auch Klosterschule und Schreibwerkstatt (Skriptorium) des Klosters eine besondere Förderung. Aus diesen Anfängen, durch steten Ankauf und eigene Herstellung von Büchern entstand die berühmte Klosterbibliothek, in der zeitweise bis zu 30 Mönche arbeiteten. Im Jahr 1757 besaß sie 15000 Bände, mehr als manche zeitgenössische Universitätsbibliothek.

Erneute Notzeiten und der Bauernkrieg führten das Kloster in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts an den Rand des Ruins. Trotzdem entstand, auch unter Einfluss des neuen Klostervogts Fugger, der nach dem Aussterben der Stifterfamilie das begehrte Objekt als Dauerlehen von Kaiser Maximilian I. erhalten hatte, der gesamte Baukomplex mit Ausnahme der Kirche neu. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts gewann das Kloster wieder relativen Wohlstand. Die Wiblinger Mönche gingen als gefragte Reformträger in andere Klöster, wo man auch das hohe geistige Ansehen des Konvents schätzte.

Nach den Prüfungen des Dreißigjährigen Krieges stand neben dem Wiederaufbau und der wirtschaftlichen Genesung die Festigung des Glaubens im Mittelpunkt der klösterlichen Anstrengungen. Auch die Klosterschule und die Pflege der Wissenschaften erfuhren eine neue Blüte. Nach der Ablösung aus der Fuggerschen Schutzherrschaft 1701/1702 und dem Ende des Spanischen Erbfolgekrieges begann im inzwischen sehr beengten Kloster Wiblingen 1714 die 70 Jahre andauernde große Neubauunternehmung, in deren Verlauf die repräsentative Barockanlage entstand.

Die barocke Neubauplanung des Klosters, die vom Ideengut der Gegenreformation bestimmt war, orientierte sich am Schema des spanischen Klosterschlosses El Escorial (1563-1584). Die Kirche als bedeutendstes Bauwerk stand genau im Zentrum auf der Mittelachse des Gesamtkomplexes und wurde von einem rechteckigen Klausurgeviert umrahmt. So bildeten sich zwei symmetrische Innenhöfe. Eine Besonderheit der Wiblinger Anlage (1714-1783) ist die Verschiebung der Mittelachse der neuen Kirche. Dies liegt in einer Bauplanänderung hin zu größerer Monumentalität begründet und wohl auch in der Notwendigkeit, die alte Klosterkirche möglichst lange zu benutzen. Wiedemann errichtete den Nordflügel, den nach seinem Tod 1739 sein Sohn Johann Rudolf vollendete. Im Mittelpavillon ist die kostbare Klosterbibliothek untergebracht.

Nach zehn Jahren begann der Baumeister Johann Michael Fischer den Bau des Osttrakts. In diesem Konventflügel, der sich durch einen aufwändig gestalteten Mittelpavillon auszeichnet, waren der Kapitelsaal und die Klausurzellen untergebracht. Der Südtrakt wurde nur im ersten Drittel ausgeführt. Den Weiterbau auf den allerdings schon ausgeführten Fundamenten betrieb erst die württembergische Heeresverwaltung von 1915 bis 1917.

Den Gästen des Klosters stand der nordwestliche Trakt des Klausurgevierts zur Verfügung. Diese prachtvoll ausgestatten Prunkräume demonstrierten den Besuchern großen Wohlstand und das Selbstbewusstsein des bedeutenden barocken Klosters. Verschiedene in sich farblich einheitliche Räume waren kostbar eingerichtet. Die zum großen Teil noch original erhaltenen Deckenstuckaturen thematisieren die Wiblinger Hauptreliquie, das heilige Kreuz und Heiligenszenarien, wie die des Ordensgründers Benedikt.

Der berühmte Bibliothekssaal des Wiblinger Klosters hat die Ausmaße und die verschwenderische Ausstattung eines sakralen Festssaals. Er diente als Repräsentationsraum der geistlichen Residenz, in dem Gäste empfangen wurden. Der Saal verherrlicht mit seiner vielfältigen Ausstattung äußerst differenziert menschliches Wissen und himmlische Weisheit. Das Deckenfresko von Martin Kuen und die von Dominikus Hermenegild Herberger um 1750 geschnitzten Allegorien sind anziehende Blickpunkte des Prachtraums.

Im Kapitelsaal des Klosters versammelte sich der gesamte Konvent. Dieser sich über zwei Geschosse erstreckende Raum gehört auch in Wiblingen, neben der Bibliothek, zu den prächtigen Repräsentationsräumen. Das von Franz Martin Kuen 1754 gemalte Deckenfresko veranschaulicht die Szenen rund um die beiden wichtigen Wiblinger Themen, die Kreuzreliquie und die Klostergründung.

[Quelle]